BRSG Vereinsfahrt vom 22. – 25. Mai 2013 an den Bodensee

 

 

Unser 20jähriges Vereinsjubiläum war Anlass für unsere diesjährige Mehrtagesfahrt, die unser Vorsitzender Henning Hild vorbereitet und organisiert hatte. Die Reiseleitung hatte Günter Rink übernommen, unterstützt von Bianka Schädler-Köpplin und Herrmann Dücker.



 

Wir starteten in Richtung Süden am Mittwoch gegen 7:00 Uhr mit dem Doppeldecker-Bus, der mit 71 Personen voll besetzt war. Leider kamen wir wegen Staus in der Wetterau und im Raum Stuttgart nicht so zügig voran wie vorgesehen, sodass der geplante Zwischenstopp in Karlsruhe entfallen musste. Aber für ein bereitgestelltes Frühstück stand ausreichend Zeit zur Verfügung. So kamen wir wohlbehalten und voller Erwartung – vor allem wegen des Wetters (die Vorhersagen verhießen nichts Gutes) – in unserem Hotel in Friedrichshafen an.

Hier waren wir gut untergebracht. Höhepunkt des Tages war das abendliche zunächst vom Chef des Hauses angekündigte 3-Gänge-Menü. Die humorvolle Vorstellung erhielt durch den schwäbischen Akzent ihren besonderen Reiz. Zum reichlichen und geschmackvollen Abendessen ließen wir uns den köstlichen Müller-Thurgau – die spezielle Rebsorte aus der Bodensee-Region – munden.

 

Am Donnerstag fuhren wir dann bei freundlichem (!) Wetter mit dem Katamaran nach Konstanz, wo wir zur Stadtführung bereits erwartet wurden. Konstanz erinnert in 2014 an das vor 600 Jahren stattgefundene legendäre Konzil (1414-1418). Und seit 1993 weist die Hafenfigur Imperia auf dieses Ereignis hin. Das mächtige Denkmal, zehn Meter hoch und 18 Tonnen schwer, steht an auffälliger Stelle im Hafen und dreht sich in vier Minuten um die eigene Achse. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde das von dem Bildhauer Peter Lenk geschaffene Werk dort aufgestellt, sehr zum Missfallen der Stadtväter, denn es stellte eine Prostituierte dar – das Dekolleté tief und der Gürtel notdürftig geschlossen. Und zu allem Überdruss trug die Dame auch noch zwei hutzelige, nackte Männlein auf den Händen: Das eine mit Krone und Reichsapfel und das andere mit der päpstlichen Papsthaube, Spottsymbole der damaligen höchsten weltlichen und geistlichen Macht. Inzwischen haben sich die Konstanzer mit ihrem Hafenweib versöhnt. Mehr noch: Man sagt, sie seien stolz darauf. Die Imperia sei zum Wahrzeichen und zur Touristenattraktion geworden. So kann eine anstößige „Hure“ zum Aushängeschild avancieren.

 

Damals vor 600 Jahren sollen es 2000 (600 waren registriert) gewesen sein, die den Teilnehmern des Konzils neben den kirchlichen Beratungen und Beschlüssen zur Verfügung standen. Es wurde aber nicht nur gehurt, sondern auch gemordet. Der böhmische Magister und Reformator Johannes Hus und sein Glaubensbruder Hieronymus von Prag wurden während des Konzils als Ketzer verbrannt. Wahrlich kein Ruhmesblatt der Geschichte!

 

Auch 150 Jahre später, nach Reformation (1517) und Augsburger Religionsfrieden (1555), war die mit der Imperia aufs Korn genommene Macht von Staat und Kirche ungebrochen. Ob Luthertum oder Katholizismus, die Konfessionszugehörigkeit des Volkes bestimmten Obrigkeit und Kirche. Mit Andersgläubigen wurde kurzer Prozess gemacht. Als Ketzer, Sektierer oder auch als Hexen (um 1600) angeklagt, waren sie der Willkür der Machthaber ausgesetzt. Für uns heute kaum vorstellbar! Erst als König Friedrich II. (der Große) im Zuge der Aufklärung in 1740 den katholischen Glauben im protestantischen Preußen zuließ („Ein jeder soll nach seiner Fasson selig werden!“), trat eine Änderung ein. Inzwischen ist die Religionsfreiheit ein hohes Gut unserer Verfassung. Niemand mehr kann uns vorschreiben, was wir zu glauben haben. Diese Freiheit sollten wir nicht zu gering schätzen und dankbar dafür sein, aber auch Andersgläubigen mit Respekt begegnen.

 

Nach Beendigung der Stadtführung setzten wir unser Programm im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen fort, nachdem wir bei angenehmen Temperaturen (!) mit der Fähre übergesetzt hatten.

 

20 auf Pfählen stehende Häuser, die nach Funden aus der Stein- und Bronzezeit originalgetreu nachgebaut wurden, konnten wir besichtigen. Mit ihren ebenfalls nachgebildeten Einrichtungsgegenständen und durch entsprechende Infotafeln erhielten wir Einblick in das Leben der Menschen in der Zeit von 4000 bis 1000 v. Chr. Es ist beeindruckend zu sehen, dass Menschen zu ihrer Zeit mit ihren Möglichkeiten und den zur Verfügung stehenden Ressourcen sich eine Existenz geschaffen und ihre Erzeugnisse weiterentwickelt und auch noch kunstvoll gestaltet haben. Neben den im See stehenden Pfahlbauhäusern befindet sich im Uferbereich auch noch ein Museum mit Originalfunden aus der Stein- und Bronzezeit. Die wertvollen Ausstellungsstücke zu besichtigen ließen sich etliche aus unserer Gruppe nicht entgehen. Bevor wir dann mit dem Bus zurückfuhren überraschte uns noch ein heftiger Schauer. Zum Glück saßen wir aber schon beim Kaffeetrinken im Pavillon, sodass wir danach mehr oder weniger trockenen Fußes zum Bus gelangen konnten.

 

Am Freitag fuhren wir mit dem Bus bei leichtem Nieselwetter und kühlen Temperaturen nach Lindau. Das historische Zentrum ist eine Insel im See, früher Lindau im Bodensee genannt. Die Stadtführerin machte uns auf den besonderen Charme der alten Gebäude mit ihren schmalen Gassen aufmerksam und erläuterte den geschichtlichen Hintergrund der ehemaligen freien Reichsstadt. Seit ihrer Gründung ist die Linde Symbol der Stadt (PS: Zu unserer Gruppe gehörte das Ehepaar Lindauer; sie stammen aber nicht aus Lindau sondern aus Endbach).

 

Als wir anschließend nach Bregenz fuhren, hellte sich das Wetter immer mehr auf. Und dass wir dabei die deutsch-österreichische Grenze überquerten, fiel nur durch die Signaltöne der Handys auf. Keine Grenzkontrollen mehr – eine angenehme Errungenschaft des vereinten Europas! Auffallend war auch, dass in Österreich die frühere Gendarmerie jetzt (seit 2005) Polizei heißt, so wie bei uns. (PS: In der Krieg- und Nachkriegszeit war im Hessischen Hinterland der Polizist auch ein Gendarm und in Hartenrod war seine Wohnung das Gendarmen-Haus.) In Bregenz wollten wir ursprünglich mit der Bergbahn auf den Pfänder (1063 m) fahren und die schöne Aussicht auf den Bodensee und die Bergwelt genießen; wegen der ungewissen Wetterlage – in den Höhenlagen waren Schneeschauer angesagt und auf den Schweizer Bergen war Neuschnee zu sehen – hatte man auf dieses Highlight verzichtet. So blieb als Ersatz nur die Besichtigung der Seebühne (auf eigene Faust) übrig, auch ein beeindruckendes Erlebnis: das gewaltige Areal mit 7000 Sitzplätzen; die aufgebaute Kulisse; über Lautsprecher war ein Auszug aus der Zauberflöte, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, zu hören, die in diesem Jahr auf dem Programm steht; auch die veröffentlichten Eintrittspreise von 29 – 138 Euro waren gewaltig. So ging mit der Heimfahrt auch der dritte erlebnisreiche Tag zu Ende.

 

Am Samstag hieß es dann, Abschied zu nehmen. Wir fuhren zunächst am Bodensee entlang, der uns noch ein letztes Mal „zuwinkte“, vorbei an den lieblichen mit Wein- und Obstplantagen versehenen Hängen, in Richtung Schaffhausen / Schweiz. In Neuhausen, kurz vor unserem Ziel, tat sich ein Hindernis auf. Eine nur 3,9 Meter hohe Bahnunterführung versperrte dem genauso hohen Bus den Weg. Wir steckten anscheinend in einer Sackgasse, und mit dem Anhänger im Schlepptau konnten wir auf der engen Straße weder wenden noch zurück. Schon wurden Rufe nach der Herborner Kranfirma Daum laut. Aber unser Busfahrer konnte mit Geduld und Geschick diese brenzlige Situation meistern und wir erleichtert aufatmen.

 

So ereichten wir unser Ziel, den Rheinfall bei Schaffhausen, den größten Wasserfall Europas und Naturschauspiel der besonderen Art. Über eine Breite von 150 Metern und eine Höhe von 23 Metern stürzen bei mittlerer Wasserführung des Rheines 600 Kubikmeter Wasser über den Felsen. Ein grandioses Schauspiel! Und wenn man außerdem bedenkt, dass im gleichen Zeitraum weltweit fast die gleiche Menge an Öl gefördert (damit auch verbraucht) wird, dann kann man nur staunen und dem Schöpfer danken, dass ER uns diese gewaltige Menge zur Verfügung gestellt hat. Auf der anderen Seite fragt man sich aber auch, wie lange der Vorrat bei unserer Verschwendungsmentalität wohl noch reichen mag.

 

Nach der Besichtigung des Rheinfalls hatten wir noch einen weiteren Zwischenstopp in Freiburg geplant. Aufgrund der Erfahrungen bei der Anreise ließen wir ihn fahren. Wir wollten auf der Heimfahrt keinen Reinfall riskieren. So war der Rheinfall zum Abschluss unserer Rundreise noch ein starkes Erlebnis. Mit vielen Eindrücken, guten Begegnungen und dankbaren Herzen für die unfall- und pannenfreie Fahrt kamen wir gegen 19:00 Uhr zu Hause an. Zum Abschied hatten wir uns noch gemeinsam den Wunsch zugesungen: „Dass wir uns hier in diesem Tal noch treffen so viel hundertmal, Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, er hat die Gnad!“


Bilder und Text von Reimar Debus